Auf wenigen Quadratmetern hat die Reservistenkameradschaft Meppen unzählige Militaria zusammengetragen. Die Geschichten dahinter könnten ganze Bände füllen. Foto: Markus Pöhlking

Meppen. Es ist ein kleiner Raum, vollgestopft mit hunderten Devotionalien, anhand derer tausende Geschichten erzählt werden könnten. Mit dem 15. Türchen unseres Adventskalenders öffnen wir das Heim der Reservistenkameradschaft Meppen.

Ursprünglich war das heutige Heim der Reservistenkameradschaft mal der Pumpraum des Wasserturmes, der bis heute am Eingangsbereich der Wehrtechnischen Dienststelle steht. Dementsprechend ist das Innere des kleinen Häuschens nicht unbedingt durch Weitläufigkeit geprägt. Dafür ist es aber durchaus gemütlich. Und, zumindest auf den ersten Blick, ziemlich unübersichtlich. Grund dafür ist eine über die Jahre angehäufte Sammlung von Militaria aller Art: Knapp 1600 Konkarden von meist aufgelösten Bundeswehreinheiten schmücken die Wände, in Vitrinen sind Offiziersmützen verschiedener Armeen ausgestellt.

Kriegsgräberpflege aktiv

Irgendwo hängen ein paar demilitarisierte K 98-Gewehre aus dem Ersten Weltkrieg, dazwischen sind zahlreiche Souvenirs, welche die Kameradschaft etwa von Märschen im Ausland mitgebracht hat. Das kleine Heim unterm Wasserturm nämlich ist zentrale Anlaufstelle der Reservisten, das Zentrum ihrer Aktivitäten ist bisweilen aber hunderte oder tausende Kilometer entfernt: Besonders der Kriegsgräberpflege hat sich die aktuell knapp 75 Mitglieder starke Gruppe verschrieben – die Einsätze führen mal nach Frankreich, mal nach Polen oder Russland.

Zufallsfunde und Nachlassobjekte

„Manchmal haben wir verschiedene Abzeichen einfach getauscht oder mal eine Schirmmütze als Geschenk mitgenommen, wenn wir irgendwo gemeinsam mit Soldaten des Gastlandes gearbeitet haben“, beschreibt Vorsitzender Jürgen Bradler, wie Gegenstände üblicherweise in den Fundus der Kameradschaft geraten. Andere Objekte stammen aus Nachlässen, sind Zufallsfunde oder durch Beziehungen vermittelt worden.

Begehrte Sonderanfertigung

Eine der nachhaltigsten Geschichten freilich erzählt ein Dokument, dass sich im bunten Durcheinander eher unscheinbar ausnimmt: Etwas verblichen ist die Zugfahrkarte mittlerweile, mit der sich eine Gruppe der Kameradschaft 1990 auf den Weg nach Irland machte. „Die Karte wurde als Sonderanfertigung per Hand ausgefüllt, unter anderem stehen sämtliche Stationen der Reise darauf“, erzählt Bradler. „Für die Schaffner unterwegs war das eine absolute Rarität, manche hätten den Fahrschein für ihre private Sammlung am liebsten eingesteckt.“

Beschattung durch den Militärattaché

Auch sonst war der Trip nach Irland denkwürdig: „Wir wurden damals von einer irischen Marschgruppe eingeladen und hatten die Erlaubnis, in Uniform zu marschieren.“ Damit sei man nicht nur als erste Gruppierung überhaupt in deutschen Uniformen in Irland gewesen, sondern zugleich auch in den Genuss der Observierung durch den deutschen Militärattaché in London gekommen. „Es hieß damals vor Antritt der Fahrt, dass wir unsere Uniformen bei der Durchreise durch England besser versteckt halten sollten“, erinnert sich Bradler. Wohl um das zu überprüfen, sei der deutsche Diplomat der Gruppe heimlich nachgereist und habe sie auch in Irland überwacht. „Wir haben das erst hinterher erfahren“, sagt Bradler und fügt hinzu: „Offenbar hatte der Attaché aber bezüglich unseres Verhaltens nichts zu beanstanden.“

Quelle: Meppener Tagespost